Porträt: Claudia Stoldt
Unternehmen: | Anwaltskanzlei |
Gegründet: | 07/2000 |
Kurzbeschreibung: | Anwaltskanzlei mit Schwerpunkt im Wirtschaftsrecht, insbes. Bau- u. Architektenrecht, Insolvenzrecht, Gesellschaftsrecht, |
Alter: | 42 |
Familie: | verheiratet 1 Sohn |
Kontaktdaten: | Fredersdorfer Chaussee 58 |
1. Was ein Anwalt macht, können wir uns vorstellen, aber was ist Mediation?
Mediation ist lateinisch und bedeutet Vermittlung. Die Besonderheit bei der Mediation ist, dass der Mediator die Parteien zu einer eigenen einvernehmlichen Lösung führt. Er/sie schlägt keine Lösung vor, wie es bei allen anderen Verfahren der Fall ist, sondern unterstützt die Parteien, einen Konsens zu finden. Leider ist Mediation in Deutschland, bis auf Scheidungsfolgemediation, noch sehr unbekannt, und wird häufig in eine falsche „weiche“ Ecke gestellt. Da ich über die Ausbildung aber auch Verhandlungstechniken gelernt habe, hilft sie mir, in Verhandlungen für Mandanten gute Ergebnisse zu erzielen.
2. Wer sind in diesem Fall Ihre Kunden/innen?
Anfragen direkt wegen Mediation gibt es leider selten, da es im Bauwesen noch unbekannt ist. Ab und zu gibt es mal einen Konflikt zwischen Mitarbeitern, der auf diese Art gelöst werden kann. Der Auftraggeber ist dann der Arbeitgeber.
3. Als Rechtsanwältin arbeiten und einen kleinen Sohn betreuen - wie schaffen Sie das?
Das geht nur, wenn der Ehemann bereit ist, mitzumachen. Es bedeutet, dass ich jeden abendlichen Termin zunächst mit meinem Mann abstimmen muß. Dazu arbeite ich im Moment von zu Hause aus, was es mir erleichtert, auch auf die Bedürfnisse meines Sohnes einzugehen, und mit ihm jeden Tag mehrere Stunden zu verbringen. Abends, wenn er im Bett ist, ist der Schreibtisch dann nicht weit.
4. Wie schätzen Sie aus Ihren Erfahrungen die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Brandenburg ein?
Die Kinderbetreuung in Brandenburg ist im Vergleich mit anderen Bundesländern – insbesondere Westdeutschland – sicherlich gut. Trotzdem ist auch hier noch eine Menge zu tun: für viele Berufe – und auch für meinen – sind die Öffnungszeiten zu unflexibel, insbesondere nachmittags (bis 17:00 Uhr). Eine Tätigkeit als angestellte Rechtsanwältin in Berlin – wie ich es vorher gemacht habe – wäre so nicht möglich. Andererseits muß man auch sehen, dass die Arbeitszeiten für Akademikerinnen in Deutschland selten familientauglich sind, auch hier ist ein Umdenken notwendig, insbesondere dahingehend, dass ein Mitarbeiter, der lange im Büro sitzt, selten besonders engagiert, sondern meistens besonders unorganisiert ist.
5. Sie gehören zu den Initiatorinnen des Business Club Ostbrandenburg (BCO). Was erwarten Sie von einer regionalen Vernetzung von Unternehmerinnen?
Ich bin bereits seit 7 Jahren im BFBM in der Regionalgruppe Berlin. Von daher habe ich gute Erfahrungen mit Netzwerken. Wäre ich nicht dort, hätte ich nicht Christa Janßen kennen gelernt, über diese dann nicht Birgitt Wählisch, und dieses Porträt würde es nicht geben. Seit ich in Brandenburg arbeite, fällt mir aber auch auf, dass hier viele Dinge anders laufen. Daher finde ich es wichtig, auch hier ein regionales Netzwerk zu haben, in dem man sich mit anderen austauschen kann, sich informieren kann, und sich selbst und sein Unternehmen bekannt machen kann. Zudem hat man über ein Netzwerk Möglichkeiten, die man alleine nicht hat. Z.B. kann man Politiker/innen einladen, Firmen und Behörden besuchen, u.ä. Man lernt seine Region also besser kennen und verstehen, was für das berufliche Weiterkommen sehr wichtig ist.
Mein Rat an Gründerinnen:
In der Anfangszeit hatte ich Probleme mit der Preisbildung, mit nicht zahlenden Mandanten und damit, „nein“ zu einem neuen Mandanten zu sagen. Bei jeder nicht bezahlten Rechnung habe ich mich gefragt, ob ich es hätte vorher erkennen können, dass später die Rechnung nicht bezahlt wird. Ich habe Parallelen gefunden, und habe jetzt den Mut „nein“ zu solchen Mandanten zu sagen. Aus den letzten drei Jahren sind keine unbezahlten Rechnungen mehr offen.


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