
- Impressionen
Auftaktveranstaltung am 21.10.2005
Sind Kleinstgründungen von Frauen eine sinnvolle ökonomische Strategie?
Zu diesem Thema vermittelte die Veranstaltung interessante Hintergrundinformationen. Beispiele für die Beratung und Qualifizierung für Gründerinnen wurden vorgestellt und Erfahrungen unter den Expertinnen ausgetauscht.
Frauen stellen seit Jahren konstant nur rund ein Drittel der Gründungen in Deutschland. Noch immer gibt es Unterschiede im Gründungsverhalten zwischen den Geschlechtern. Weiterhin ist das gesellschaftliche Bild von Unternehmertum geprägt von tradierten und vorwiegend männlich dominierten Vorbildern. Entsprechend sind Förderangebote und Unterstützungsstrukturen ausgelegt. Es fehlt noch immer eine differenzierte Betrachtungsweise des Gründungsgeschehens. Es fehlen auch zumeist adäquate Angebote zur Steigerung des Gründungsanteils von Frauen und anderen „von der Norm abweichenden“ Gründern.
Frauen gründen nach übereinstimmenden Studien zumeist sehr überlegt und Risiko bewusst. Sie gründen eher kleinere Unternehmen als Männer, z. B. auch erst einmal im Nebenwerb. Frauengründungen erweisen sich als besonders nachhaltig: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stellt regelmäßig fest, dass Frauenunternehmen länger am Markt bleiben als die von Männern gegründeten und dass die an Frauen gezahlten Förderkredite eine höhere Rücklaufquote aufweisen.
Alle Studien und auch die Erfahrungen der Expertinnen im Gründungsumfeld von Frauen zeigen, dass das Gründungspotenzial von Frauen bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Daher macht es ökonomisch Sinn, gezielte Angebote, die auf das Gründungsverhalten von Frauen zugeschnitten sind, anzubieten.
Denn: Frauen gründen klein aber fein!
Vortragende:
Dr. Gerda Lischke ist Professorin für Finanzdienstleistungen und Existenzgründung an der Universität Lüneburg. Seit 20 Jahren berät und begleitet sie Kleinstgründungen und Projekte für Existenzgründung besonders für Frauen. 13 Jahre war sie Aufsichtsrätin in einer ökologisch orientierten Bank, die Mikrokredite ausreichte. In ihrem Vortrag stellte sie interessante Ergebnisse aus einer Längsschnittstudie vor, in der sie Frauen aus Existenzgründungs-Kursen über 10 Jahre wiederholt befragte.
Birgitt Wählisch ist seit 5 Jahren selbstständig mit dem Unternehmen ERGOLOG - Institut und Agentur für Kommunikationsdesign. Ihre Arbeitschwerpunkte sind u. a. Gender Mainstreaming in den Lernmedien, die Konzeption und Umsetzung von Marketing und Webmarketing für KMU sowie die Beratung und Forschung zur Nutzung neuer Medien. Sie ist Projektleiterin von Gründungszeit.de. Ihre Präsentation zeigte Möglichkeiten für einen sinnvollen Einsatz von neuen Medien in der Begleitung und Beratung von Existenzgründungen auf.
Christa Janßen berät seit über 15 Jahren Menschen, die sich selbstständig machen wollen, und Inhaber/innen von kleinen Unternehmen. Ihr Schwerpunkt liegt in der Finanzplanung von Gründungsvorhaben und Unternehmen und in der strategischen Geschäftskonzept-Entwicklung. Sie präsentierte das Projekt Gründungszeit.de, in dem sie zuständig ist für die Seminarleitung, die Beratung und das Coaching der Gründerinnen. In diesem Projekt wird u. a. E-Learning eingesetzt.
Kooperationspartner
Das Deutsche Gründerinnen Forum e.V. (DGF) ist seit 1997 das Expertinnen-Netzwerk für die Förderung der Existenzgründung von Frauen in Deutschland. Mit seinen Aktivitäten arbeiten die Expertinnen auf ein positives Klima und adäquate Rahmenbedingungen und Unterstützungssysteme für Unternehmensgründungen durch Frauen hin. Dazu bietet der Verein u. a. Erfahrungsaustausch für Multiplikatorinnen an, führt Modellprojekte durch und organisiert Fachveranstaltungen. Die Regionalgruppe Berlin-Brandenburg ist ein Beispiel für den regionalen Ansatz innerhalb des bundesweiten Netzes. Sie hat z. B. die erfolgreichen Berliner Unternehmerinnentage in den Jahren 2001 und 2004 organisiert. Mit Gründungszeit.de wird wiederum ein interessantes Projekt aus Reihen des Deutschen Gründerinnen Forums, diesmal im Land Brandenburg, von der Mitgliedsorganisation ERGOLOG GbR umgesetzt.
Heidemarie Kollatz
Zusammenfassung der Podiumsdiskussion (pdf)



